Das Selectrix-System ist ein Digitalsystem zur Steuerung der Modelleisenbahn. Entwickelt wurde das Selectrix-System von den Herren A. Haass (Entwicklungsingenieur für Elektronik und Datenübertragung) und P. Doehler (Diplom Kaufmann, Marktforscher, Marketingberater), welche oft als D&H genannt werden. Deren Zusammenarbeit begann im Jahre 1975 und widmete sich der Entwicklung digitaler Technik zur Steuerung der Modelleisenbahn. Am 30.04.1979 und am 04.05.1979 meldete A. Haass folgende beide Patente an:

  • „Verfahren zur Steuerung mehrerer Steuerobjekte einer Modelleisenbahnanlage“
  • „Verfahren zur Übertragung von Betriebsstrom und Signalen im Bereich einer Modelleisenbahn“

Diese bildeten die Grundlage für die erste digitale Mehrzugsteuerung für Modelleisenbahnen. Ein Jahr später boten D&H ihr System verschiedenen Modelleisenbahn-Herstellern an. Die Resonanz war insofern begrenzt, als dass „nur“ die Firma TRIX sofort bereit war, das System von D&H exklusiv zu vermarkten. Auf Basis der besiegelten Zusammenarbeit entwickelten D&H Ihr System weiter und ließen Wünsche und Anregungen von TRIX in ihr System einfließen. Weitere Patente waren die Folge und sicherten zugleich die Exklusivität des Systems. Im Jahre 1982 war es dann endlich soweit: TRIX präsentierte auf der Nürnberger Spielwarenmesse zum ersten Male ihr nun SELECTRIX (kurz: SX) genanntes System der Öffentlichkeit. „Die vielen Drähte fallen weg“ titelten am 05.02.1982 die Nürnberger Nachrichten in ihrem Bericht über das neue Selectrix-System und wertete dies als mittlere Sensation. Grund für diese Bewertung war, dass mit TRIX der erste Großserienhersteller ein Modelleisenbahn-Steuerungssystem vorstellte, dass komplett auf Mikroelektronik und Mikroprozessorentechnik beruhte – für die damalige Zeit wirklich eine mittlere Sensation.
Und, schon seit der ersten Stunde von Selectrix beinhalteten die Lokdecoder ein System zur Motorregelung auf Basis eines SOLL-IST-Vergleichs, heute bekannt unter „Lastregelung“. Im Jahre 1985 folgte dann der erste ASIC 1 -basierende Lokdecoder für Spurweite N (9mm). Fünf Jahre später, also 1990, folge der bis dahin weltweit kleinste SX-Lokdecoder mit den Maßen 14x9x2,7mm (LxBxH), welcher die TRIX-Bezeichnung 66830 trug. Selbst unter heutigen Bedingungen gehört dieser Decoder noch immer zu den „kleinen“ am Markt. In den Folgejahren wurde das Selectrix-System ständig erweitert und bewahrte sich somit seinen technologischen Vorsprung. Leider gelang es TRIX nicht, das System so zu vermarkten, dass es seinem technologischen Fortschritt entsprach. Auch die Übernahme von TRIX durch Märklin im Jahre 1997 brachte dem Selectrix-System keinen erhofften Schub. Vielmehr wurde 1998 der Exklusiv-Lizenzvertrag zwischen D&H und TRIX im gegenseitigen Einvernehmen beendet und somit das System für weitere Anbieter geöffnet.
Im Jahre 2009 wurde das Selectrix 2 (kurz SX2) eingeführt, welches den Anforderungen heutiger Modelleisenbahner gerecht wird. Die wichtigsten Neuerungen sind ein erweiterter Adressraum (bis 9999) für Lokdecoder, 16 Zusatzfunktionen unter SX2 sowie die Unterstützung des DCC-Fahrformates am Gleis (Adressbereich bis 9999, kurze und lange Adressen, 16 Zusatzfunktionen).

Trotz der vielen Behauptungen, Selectrix sei ein „totes System“, erfreut sich dieses einer treuen und vor allem anspruchsvollen und seit neustem stetig wachsenden Modelleisenbahner-Gemeinde. Hier greift das bekannte Sprichwort: „Tot gesagte leben länger“…

 

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