PTCs – Brauche ich diese?

| 0
Ein klares ja/nein kann ich leider nicht geben. Ich hole mal etwas weiter aus…
Eine Zentrale/Booster erkennt normalerweise zuverlässig einen Kurzschluss und schaltet bei diesem des Gleisstrom ab. Ein Kurzschluss wird dann erkannt, wenn die zulässige Stromstärke des Gleisausgangs überschritten wird, ungeachtet des wahren Grundes. Dies kann ein realer Kurzschluss sein, aber auch viele Verbraucher auf dem Gleis, die die maximale Stromabgabe des Gleisausgangs übersteigen. Wird also dieser Maximalstrom überschritten, wird der Gleisausgang deaktiviert.
Was ist aber, wenn zum Beispiel ein Fahrzeug auf einer Weiche entgleist ist, noch „halb“ Kontakt zum Gleis hat und aufgrund der Konstellation <Lage Fahrzeug auf Weiche> in Verbindung mit <Kontakt der Räder/Stromabnehmer> keinen „richtigen“ Kurzschluss verursacht (Überschreitung der Abschaltschwelle Gleisausgang), sondern einen Strom von 1…2 Ampere fließen lässt. Die meisten Gleisausgänge treiben 2…3 Ampere Gleisstrom, eine Kurzschlussabschaltung würde also bei 1…2 Ampere nicht wirksam werden. Dann wird die sich ergebende Leistung von (angenommene Schienenspannung) 15V * 1…2 Ampere = 15…30 Watt auf der der Strecke Rad/Schiene-Kontakt <-> Fahrzeug <-> Rad/Schiene-Kontakt in Wärme umgewandelt. Je länger diese Wärmeentwicklung anhält, kann dies zu erheblichen Schäden an Fahrzeug und Anlage führen.
Ein PTC ist ein Wärmeabhgängiger Widerstand. Ab der Bemessungstromstärke „I trip“ (welche eine gewisse Erwärmung im PTC hervorruft) vergrößert der PTC derart stark seinen Widerstand, sodass der fließende Strom auf ein deutlich kleineren Wert „I hold“ abgesenkt und so der Verbraucher hinter dem PTC geschützt wird. Dieser Schutz ist jedoch nicht sofort mit Eintreten des Fehlers (z.B. Entgleisung des Fahrzeugs) wirksam, sondern erst nach einer kurzen Anprechdauer „t trip“. Diese Ansprechdauer ist die Zeit, welche der PTC benötigt, um im Fehlerfall „genügend warm“ zu werden und den Strom zu begrenzen. Abhängig ist die Ansprechdauer vom PTC und dessen Bemessungsstrom und kann im Datenblatt nachgelesen werden. Bei den GBM-Typen meiner Bausätze (PFRA 030 für 0,6A und PFRA 065 für 1,3A) sind das 3 bzw. 5,3 Sekunden.
Je nach genauer Fehlerkonstellation kann also ein PTC das Fahrzeug schützen, indem der Fehlstrom begrenzt und so die Wärmeentwicklung gestoppt wird, es gibt aber auch Konstellationen, bei denen rettet der PTC auch nichts mehr. Den PTC sehe ich folglich als optionale und zusätzliche Absicherung des Gleises und der Fahrzeuge, 100%ige Sicherheit gegen Schäden am Fahrzeug bietet er aber keinesfalls.
GBM-8 - PTC Beispiele - (C) Datenblatt von https://www.schurter.com
GBM-8 – PTC Beispiele – (C) Datenblatt von https://www.schurter.com
Ich hoffe, das Thema ist nun etwas klarer, auch wenn ich keine eindeutige Antwort vorgeben kann.

Comment on this FAQ

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.